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Gabriel Tan im Interview

Anlässlich des Salone del Mobile.Milano 2026 präsentiert ClassiCon mit dem Soft Stone Sofa ein modulares Sofasystem, entworfen von Gabriel Tan. Im Interview gibt der in Portugal lebende Designer Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Entwurfs – von den ersten Beobachtungen im Parque da Cidade in Porto bis hin zur Entwicklung eines skulpturalen, zugleich komfortablen Sofas.

Was war die gestalterische Ausgangsidee für das modulare Sofasystem Soft Stone?

Gabriel Tan: Im Jahr 2020 war ich gerade von Singapur nach Porto gezogen. Durch die Covid-19-Pandemie verbrachte ich damals viel Zeit im Parque da Cidade do Porto direkt neben meinem Zuhause. Ich sah Menschen, die auf riesigen Steinblöcken im Park saßen, picknickten, sich ausruhten oder sich unterhielten, und ich tat es ihnen gleich. Dann stellte ich mir vor: Wie schön wäre es, wenn diese Steinblöcke eigentlich weich und bequem wären? Mich hat schon immer fasziniert, wie Bildhauer wie Isamu Noguchi es schafften, einem so harten Material wie Stein ein Gefühl von Weichheit zu verleihen.

Ich wollte genau diese Qualität erforschen, aber umgekehrt: ein weiches Material nehmen und ihm die Präsenz von behauenem Stein verleihen. Ich vertiefte mich in das Thema und fand Schönheit in den verschiedenen ineinandergreifenden Verbindungen, die Steinmetze und Bildhauer verwendeten. Ich beschloss, dieses Konzept auf ein modulares Sofadesign zu übertragen – ineinandergreifende Module, die weich und bequem sind, aber aus jedem Blickwinkel asymmetrisch und skulptural wirken. Obwohl die Form ursprünglich von der Natur inspiriert ist, habe ich versucht, eine systemische Logik für das Design zu entwickeln.

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Der Name Soft Stone – weicher Stein – verbindet scheinbare Gegensätze. Welche Bedeutung steckt dahinter und wie spiegelt sich diese Idee im Design wider?

Gabriel Tan: Der Name bringt das auf den Punkt, was ich erreichen wollte: dieses Paradoxon zwischen Schwere und Komfort, zwischen etwas, das behauen und dauerhaft aussieht, aber eigentlich weich und modular ist. Im Design sieht man das an den abgerundeten Radien und in der Polsterung – sowohl bei der Stoffwahl als auch bei der Positionierung der Nähte. Diese Designentscheidungen mildern die blockhafte visuelle Form des Sofas ab. Das Soft Stone Sofa besitzt eine besondere Solidität und Präsenz, aber wenn man sich hineinsetzt, ist es großzügig und umhüllend. Der Entwurf hat die emotionale Schwere und die durchdachte Qualität eines skulpturalen Objekts, vergisst dabei aber nie seine Funktion: Es ist dazu da, mit ihm zu leben, auf ihm zu sitzen. Und es ist der Art und Weise entsprechend gestaltet, wie Menschen ihre Räume und Möbel tatsächlich nutzen.

Gibt es Besonderheiten bzgl. der Materialwahl und des Polsteraufbaus, die Soft Stone von anderen Sofasystemen unterscheidet?

Gabriel Tan: Wir haben intensiv daran gearbeitet, dass die Kissen diese ganz bestimmte Qualität haben: Sie müssen sich weich, großzügig und umhüllend anfühlen, aber gleichzeitig ihre Form behalten. So haben wir Schichten aus Federn, Memory-Schaumstoff in verschiedenen Dichten und Daunen kombiniert, bis wir das richtige Gleichgewicht zwischen Weichheit und Halt, Komfort und Langlebigkeit gefunden haben. Das Endergebnis trägt maßgeblich zur Balance zwischen der optischen Erscheinung – einschließlich des Verlaufs der Nahtlinien – und der langfristigen Integrität und dem Sitzkomfort bei.

Was die Textilien betrifft, besuchte das ClassiCon-Team verschiedene Stofflieferanten und Fabriken in Italien und Deutschland und entschied sich schließlich für Zimmer + Rohde. Die Kooperation ist absolut stimmig, da dieser Textilverlag – genau wie ClassiCon ein deutsches Unternehmen und gleichzeitig eine international erfolgreiche Marke ist. Die Stoffe sind sehr hochwertig, aber nicht „überpräsent“.

Warum haben Sie sich für ein modulares Sofasystem und nicht für ein Sofa in einer oder zwei festen Größen entschieden?

Gabriel Tan: Das ergab sich aus der Beobachtung, wie Menschen leben. Da ich an Innenarchitekturprojekten für Wohn- und Hotelbereiche gearbeitet habe, weiß ich genau, wie unglaublich vielfältig Räume sind – nicht nur in ihrer Größe, sondern auch darin, wie sie genutzt oder bewohnt werden. Ein festes Sofa erzwingt eine einzige Lösung oder ein Nutzungsszenario für sehr unterschiedliche Situationen. Der modulare Ansatz erlaubt es den Menschen, etwas zu bauen, das zu ihrem Raum und ihrem Leben passt. Ich mag auch den kreativen Aspekt der Modularität. Das Anordnen und Umkonfigurieren der Module kann ein wenig wie das Komponieren einer Skulptur sein. Das gibt dem Endnutzer oder der Endnutzerin die Freiheit, Entscheidungen über Balance, Rhythmus, Leerraum und so weiter zu treffen.

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Sie leben in Porto. Hat die Stadt oder das Land Portugal einen Einfluss darauf, wie Sie arbeiten?

Gabriel Tan: Das Leben in Porto hat meine Perspektive definitiv verändert. Das Lebenstempo hier ist weniger gehetzt, und das Handwerk ist im täglichen Leben noch sehr präsent. Das hat mich geduldiger und bedachter im Designprozess gemacht. In Singapur ist es uns fast schon in die Wiege gelegt worden, eine Aufgabe effizient zu erledigen und zur nächsten überzugehen. Porto bewegt sich langsamer, auf eine gute Art und Weise. Man sieht Steinmetze an Gebäuden arbeiten, Möbelbauer, die seit Jahrzehnten dieselben Techniken anwenden. Es geht weniger um Innovation um der Innovation willen, sondern mehr darum, Dinge ordentlich und mit Sorgfalt zu tun. Diese Mentalität hat beeinflusst, wie mein Team und ich Projekte wie Soft Stone angegangen sind – mit weniger Fokus auf eine schnelle Markteinführung und mehr Konzentration darauf, etwas Bleibendes zu schaffen.

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